
Ton als Substratzuschlagstoff* *Von Dipl. Ing. (FH) Dieter Lohr, Institut für Gartenbau, Staatliche Forschungsanstalt für Gartenbau an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
Ab etwa 1950 wurden die bis dahin üblichen Praxiserden, deren Rezepturen Betriebsgeheimnisse darstellten und die speziell für einzelne Kulturen gemischt wurden, durch Standardsubstrate mit definierten chemischen und physikalischen Eigenschaften abgelöst. Eines der ersten Standardsubstrate war die»patentierte Einheitserde nach Prof. Dr. Anton Fruhstorfer«, eine Mischung aus 60 bis 70 Vol.% Hochmoortorf und 30 bis 40 Vol.% Untergrundton. Bei heutigen Torf-Ton-Substraten liegt der Tongehalt in der Regel etwas niedriger.
Ton nimmt unter den mineralischen Substratzuschlagstoffen eine Sonderstellung ein. Während durch die meisten anderen mineralischen Zuschlagstoffe (Lava, Bims, Blähton, Sand, Perlite) die Dränfähigkeit verbessert und das Luftporenvolumen erhöht werden sollen, dient Ton unter anderem dazu, die Wasserhaltefähigkeit zu erhöhen. Auch wird durch Ton der Benetzungswiderstand gesenkt, die Substrate lassen sich somit nach dem Austrocknen leichter wiederbefeuchten. Des Weiteren wird durch die hohe Kationenaustauschkapazität der Tonminerale die Pufferung der Substrate erhöht, was eine gleichmäßige Nährstoffversorgung sichert sowie das Risiko von Salzschäden – durch Überdüngung oder Ballastsalze – verringert (siehe Abb. 1).
Die Angaben "Tonmehl", "Tongranulat" oder "Naturton" auf Substratsäcken sagen nichts über die Art und Herkunft des verwendeten Tons aus, sondern nur über die Form, wie er dem Substrat beigemischt wurde (Tonmehl = getrocknet und fein vermahlen; Tongranulat = getrocknet und grob vermahlen / granuliert; Naturton = feucht).
Bei der Beurteilung der eingemischten Mengen ergeben sich auf Grund unterschiedlicher Größeneinheiten oft Unklarheiten. So wird die Tonmenge entweder in kg je m³ Substrat angegeben oder es erfolgt eine Angabe in Gewichts- bzw. Volumenprozent. In Tabelle 2 ist der Zusammenhang zwischen den verschiedenen Mengenangaben an Substraten mit 30 kg/m³ bzw. 30 Gew.–% und 30 Vol.–% Tonbeimischung aufgezeigt.